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Bayon

Der Bayon ist neben dem Angkor Wat die bekannteste und eindrucksvollste Tempelanlage in Angkor – berühmt vor allem wegen seiner Türme mit meterhohen aus Stein gemeißelten Gesichtern.

Architektur

Der Bayon unterscheidet sich durch mehrere Besonderheiten von anderen Tempeln in Angkor, insbesondere:

  • das zentrale Heiligtum ist rund, nicht quadratisch,
  • die Tempelanlage wurde über Jahrhunderte umgebaut und erweitert und ist dadurch komplexer als andere Bauten,
  • der Tempel ist nicht von einer Mauer umgeben, sondern von offenen Säulengängen,
  • auf den Türmen wurden rund 200 bis zu 7 Meter hohe Gesichter des Lokeshvara in den Stein gehauen.

Komplexität der Anlage

Viele der Könige von Angkor ließen während ihrer Regentschaft eigene Tempel, manchmal auch neue Hauptstädte, errichten. Der Bayon, wie auch die Stadt Angkor Thom, wurden hingegen nicht zuletzt wegen ihrer architektonischen Qualität auch nach Jayavarman VII. von einer Reihe der folgenden Könige weiterbenutzt.

Der Tempel wurde dabei nicht wie manche andere zerstört, um an seiner Stelle einen neuen zu errichten oder die Steine für ein anderes Bauwerk zu benutzen, sondern immer wieder um Zubauten ergänzt. Am Ende der Bautätigkeiten ergab sich dadurch ein hochkomplexes Gesamtbild mit einer Vielzahl von Treppen, kleineren Tempeln, Säulengängen und oft sehr engen Wegen.

Gesichter-Türme

Das auffallendste architektonische Merkmal des Tempels sind die Türme mit den meterhohen lächelnden Gesichtern des Bodhisattva Lokeshvara (auch Avalokiteshvara). Noch ist nicht endgültig geklärt, ob das Gesicht des Königs als Vorbild für diese Darstellungen diente.

Ursprünglich betrug die Anzahl der Türme 49 (andere Rekonstruktionen gehen von 54 aus), von denen heute nur noch 37, zum Teil wiedererrichtete, stehen. Auf den meisten Türmen sind vier Gesichter zu sehen, die nach den vier Haupthimmelsrichtungen ausgerichtet sind, während manche nur zwei oder drei tragen. Insgesamt beträgt die Anzahl der Gesichter rund 200.

Reliefs

Der zentrale Tempelberg ist von zwei konzentrischen, quadratisch angelegten Galerien umgeben, deren Wände eine Reihe von Reliefs tragen. Jene der äußeren Galerie schildern historische Erzählungen der Khmer, wie zum Beispiel aus den Kriegen gegen die Cham (einem östlich gelegenen Nachbarreich im heutigen südlichen Vietnam), sie zeigen den fischreichen Tonle Sap See und bilden Alltagsszenen aus dem Leben des Königs und der Bewohner der Stadt Angkor Thom ab. Die Reliefs der inneren Galerie stellen neben weiteren Illustrationen historischer Ereignisse auch eine Reihe von Szenen aus der hinduistischen Mythologie dar.

Von besonderer Bedeutung für Historiker sind die Darstellungen des Alltags der Khmer, da es keinerlei schriftliche Aufzeichnungen aus dem historischen Angkor gibt. Geschrieben wurde damals auf Palmblätter und diese sind, wie die Holzbauten der Menschen, dem tropischen Klima zum Opfer gefallen. Die einzige bekannte authentische Erzählung über die Blütezeit Angkors stammt von Zhou Daguan, einem chinesischen Botschafter, der von August 1296 bis Juli 1297 ein Jahr in Chenla, so der chinesische Name für das Khmer-Königreich, verbrachte.

Tipps für Besucher

Die besten Tageszeiten, um den Bayon in seiner Gesamtheit und insbesondere die Türme mit den Gesichtern zu betrachten, sind nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang, wenn die Sonne tief steht und die Konturen hervorhebt. Der Besuch der Reliefs empfiehlt sich während des Tages, wenn die hoch stehende Sonne die Reliefs besser zur Geltung bringt und auch die Details gut ausleuchtet.